Aufregung

Die Marke Katjes startet eine Werbekampagne für vegetarische Süßigkeit – viel Pink, weil man sich an eine weibliche Zielgruppe richtet. Und da man mit der Zeit geht, trägt eine der Protagonistinnen ein Kopftuch – immerhin ist es für Muslime ja wichtig, dass keine Gelatine mit Schwein-Anteil in dem Süßkram steckt. So weit so gut.

Aber die Ewig-Ängstlichen sehen darin natürlich direkt das Ende der Welt nahen – sie nennen auf Twitter die Plakate mit der Kopftuch-tragenden Dame „widerlich“ – man ruft zu einem Boykott von Katjes auf – und Menschen, die sich zum Thema nicht deutlich ablehnend äußern, werden wieder einmal mit bösen Schimpfworten belegt.

Es mag ja sein, dass die Verantwortlichen mit erhöhter Aufmerksamkeit für die Kampagne gerechnet haben – dann haben sie ihr Ziel dicke erreicht. Wenn man die Boykott-Tweets mal überfliegt, dann muss man allerdings tief schlucken – so viel Hass und böse Worte. Ich stelle mir gerade vor, wie es ist, wenn man als Kopftuch-tragende Dame in Deutschland unterwegs ist – hört man sich den Scheiß dann auch noch live an?

Einige entblöden sich auch nicht, direkte Vergleiche mit der Lage im Irak zu ziehen – da haben Frauen, die mit Kopftuch schwenken gegen das Regime protestieren, gerade wenig zu lachen. Aber, liebe Angstbürger und Wuthasen, hier ist ein freies Land, inklusive Religionsfreiheit – also auch der Freiheit Kopftuch zu tragen, wenn man meint.

Die Marke gab in einem Statement zur Kampagne als Zielgruppe junge lebensbejahende Frauen an – unter ihnen auch Muslima, für die Veggie-Information besonders wichtig ist – nichts dagegen zu sagen. Ob immer alles für Frauen pink sein muss – nun ja. Und ob die lebensbejahende Muslima in Deutschland nun Kopftuch als Klischee empfindet oder sich angesprochen fühlt – ja, das kann ich jetzt nicht beurteilen, wüsste ich aber gerne.

Das Motiv als „widerlich“ zu bezeichnen, nun, das finde ich wiederum widerlich und dämlich – gut, wenn die Marke jetzt nicht zurück zuckt.

Allerdings – eines bleibt – ich mag das Zeug immer noch nicht

 

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