GroKo

24. September 2017 – Bundestagswahl.

25. Januar 2018 – na gut, jetzt muss wohl über eine Neuauflage der Großen Koalition gesprochen werden.

Erst haben Union, FDP und Grüne sondiert und viel auf Balkonen herum gestanden – bis Lindner das Ding zum Platzen brachte. Dann hielt man der SPD viele staatstragende Vorträge und sondierte erneut. Und jetzt gehen also richtige Koalitionsverhandlungen los – und die Union betont gerne, dass man bei der Sondierung ja schon viel vereinbart hätte. Insofern sind die Änderungswünsche der SPD-Basis so etwas wie ein unerwünschtes Hindernis.

Und dabei lautete am Wahlabend die Diagnose, dass die Große Koalition abgestraft worden sei – immerhin hat man sagenhafte 14 Prozent Stimmenverlust eingefahren. Und die SPD trat erhobenen Hauptes den Weg in die Opposition an – mit der Absicht sich da neu zu finden.

Da fällt es durchaus schwer, die Neuauflage der Großen Koalition zur neuen Herzenssache zu erklären. Hier regiert gerade purer Pragmatismus und die Suche nach dem allerkleinsten gemeinsamen Nenner. Und dabei quakt die CSU als lautester, wenn auch sicher nicht größter Frosch im Teich – immerhin muss man dieses Jahr ja Landtagswahlen überleben. Und die AfD war in Bayern recht erfolgreich – so erfolgreich, dass man reflexhaft darüber sprach, wie man am rechten Rand wieder auf Stimmenfang gehen kann.

Und die SPD windet sich zwischen staatstragender Verantwortung und Selbstzerfleischung – und leidet an Perspektivlosigkeit. Nur die Jusos haben eigentlich klare Kante gezeigt – und sind nach wie vor gegen die Große Koalition.

Mit dem Auftakt der Verhandlungen strampeln sich die Akteure jetzt also durch eine neue Runde langwieriger Verhandlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit an Nachtsitzungen und beeindruckenden Augenringen. Und was auch immer sie zusammen zu zimmern – wahrscheinlich wird es nicht vier Jahre durchhalten. Das Spaltpilz-Potenzial der CSU ist einfach zu hoch.

Die schickt das alte Schlachtross Seehofer zum Sondieren, damit Söder beim bayerischen Wahlkampf umso besser wird wettern können, was man denn da in Berlin schon wieder Fürchterliches angestellt habe.

Und der durchschnittliche Wähler? Der findet sich jetzt irgendwie in der Not mit einer Großen Koalition ab – aber glaubt man, dass sich da was regt und rührt? Europa und Rest der Welt mögen es als erlösend empfinden, wenn Mutti Merkel noch ein wenig weiter machen kann – und es mehr gibt als nur eine geschäftsführende Regierung. In Deutschland wird man langsam müde – und will eigentlich viel lieber wissen, wann man denn neu wählen wird.

Bis dahin muss das Parlament sich auf jeden Fall mit der AfD Fraktion auseinander setzen, die da in geübter „Wir armen Opfer des Establishments“-Manier keifend ihre rechts-außen Meinung spazieren tragen. Bei einer Großen Koalition sind die plötzlich die größte Oppositionspartei und nach den parlamentarischen Spielregeln steht ihnen auch der Vorsitz in diversen Ausschüssen zu. Bisher musste die Partei ja auch nie Erfolge belegen – es reicht aus, dass sie passend laut heulen und provokante Töne spucken und am Ende sagen, dass man das doch wohl sagen dürfe. Das hat den Anhängern bisher gereicht.

Die werden mit ermüdeten Großen Koalitionären unter Umständen leichtes Spiel haben: Hier eine Truppe, die nicht viel zusammen zimmern kann, weil Antrieb und gemeinsame Vision fehlen – hier eine keifende Zänkertruppe, die durch laut Kreischen und Heulen Themen setzt und Pseudo-Antworten verlangt.

Das sind ganz schön trübe Aussichten.

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