Ja, es muss einem nicht gefallen, dass die AfD nun im Bundestag sitzt. Und man darf es erschreckend finden, wenn die Listen, die nach der Wahl in den Medien unterwegs waren, klar stellen, dass da viele Abgeordnete sitzen, deren Meinung man selbst als deutlich rechtsextrem einordnet.
Nun sitzen sie aber da – und warten nur darauf von den anderen Parteien links liegen gelassen zu werden. Das ist nämlich genau das Ammen-Märchen, dass sie gerne erzählen. Die einzigen zu sein, die die lautere Wahrheit sagen – die einzigen zu sein, die die wahre Meinung des Volkes vertreten – die einzigen zu sein, die sich trauen – und die einzigen zu sein, die man dann immer nicht mitspielen lässt.
Das Personal, dass die AfD da in die Abstimmungen zu Ämtern und Ausschüssen schickt – muss einem nicht gefallen. Und man kann die anderen Abgeordneten auch nicht dazu zwingen, für diese Abgeordneten zu stimmen. Irgendwo werden sie aber mitspielen – und dann müssen sie auch mehr tun als nur zu krakeelen.
Aktuell geht die Unbequemlichkeit nicht weg – und das Fuchteln mit der Tagesordnung und Hammelsprung-Zählerei macht eines klar. Die AfD wird jede Gelegenheit nutzen, um sich als arme gequälte und missachtete Minderheit zu präsentieren – das dauernde „Ich armes Opfer“-Geheule und „Das muss man doch sagen dürfen“-Weinen reicht aus, um das Märchen der erfolgreichen Partei am Leben zu erhalten.