Alt Right

Seit dem Wochenende ist klar: In den USA ist ein regelrechter Kulturkampf entbrannt – die Fortsetzung der Tea Party Bewegung mit rassistischen und hässlichen Mitteln.

In Charlottesville sollte ein Denkmal für Robert E. Lee abgebaut werden und dagegen wollte das rechtsradikale Spektrum protestieren – und Gegenprotest formierte sich. Das Ganze wurde sehr schnell sehr häßlich – und gipfelte darin, dass einer aus der rechten Truppe mit seinem Auto in die Menge fuhr und dabei eine Frau tötete. Landläufig nennt man das einen Akt des Terrors – jedenfalls, wenn es ein Muslim tut.

Nun gibt es viele Stimmen auf allen Ebenen, die sehr klare Worte finden und die Rechtsradikalen als Nazis entlarven und Widerstand einfordern. Und man freut sich über jede einzelne dieser Stimmen. Denn die wichtigste Stimme – Donald Trump als Präsident – findet nur windelweiche Worte und verurteilt nur die Gewalt auf „allen Seiten“.

Ja, in den USA ist es nicht gesetzlich verboten, das Hakenkreuz zu zeigen – das mag Europäern und vor allem Deutschen fragwürdig erscheinen. Und ein Protest von Nazis darf da auch mit dem Hitlergruß garniert werden – und man darf auch „Heil Trump!“ schreien. Die Meinungsfreiheit deckt also wesentlich mehr ab als hierzulande. Und so muss man einen waschechten Nazi-Aufmarsch wohl oder übel erdulden – auch wenn man dabei kübelweise kotzen möchte.

Es war Donald Trump, der im Wahlkampf tönte, er könne sich auf die 5th Avenue stellen und jemanden abknallen und seine Anhänger würde das nicht abschrecken. Und man muss geschockt feststellen – ist so. Nun hat natürlich nicht Trump selber da die Demonstrantin getötet – aber die Saat seiner permanenten Wutrede und die Duldung des Rechtsaußen-Spektrums zeigen ihre Wirkung. Erst recht durch die erschreckend konziliante Aussage – die obendrein bei diesem Präsidenten, der ja immer gerne ein Statement raushaut, fast schon bemerkenswert gefeilt rüberkommt.

Man darf nicht vergessen: Er wurde im Wahlkampf vom KuKluxKlan unterstützt und hat sich gegen die Unterstützer von rechts außen nie abgegrenzt – er hat mit Bannon einen extremen Rechtsausleger im Beraterstab, auch wenn man nach außen nicht viel von dem Herrn gesehen hat.

Nun sollte man sich hierzulande aber nicht in Sicherheit wiegen – die AfD ist noch lange nicht abgeschlagen, die Populisten sticheln hier genauso. Man muss sich nur die Flüchtlingsthematik anschauen: Wir waren uns mal einig, dass Menschenleben etwas wert sind – und kaum paddeln da Flüchtlinge übers Meer, wird uns alles egal und wir sehen ungerührt zu, wie diese ertrinken. Wir machen uns keine Sorgen um unsere Mitmenschen, die sich genötigt sehen, ihr Leben für eine bessere Chance aufs Spiel zu setzen – wir verlangen nicht langfristige Lösungen und kurzfristige Problembewältigung – wir sind schon zufrieden, wenn wir die Menschen von europäischen Stränden weg gehalten bekommen und nicht beim Sonnenbaden der Realität ins Auge sehen müssen.

Das ist genauso häßlicher Rassismus – da tun wir so als wären Europäer schützenswerter als andere. Er ist nur unsichtbarer, weil die Menschen ja praktischerweise vor Libyen ertränkt werden.

Unsere Gesellschaften sind sehr anfällig für alle Arten von Hass und Rassismus geworden – es mag ja auch sein, dass unser Leben komplexer geworden ist und wir alle mit steigender Nervosität in die Welt gucken. Aber hat irgendwer irgendwo festgelegt, dass Amerikaner oder Europäer das Recht haben, mehr Ressourcen zu verbrauchen? Das wir ein Recht auf Urlaubstage haben sollen, während woanders Mitmenschen um das nackte Überleben ringen?

Spätestens der globale Klimawandel sollte uns beigebracht haben, dass wir alle in einem Boot sitzen und das die meisten Probleme dieser Welt in mehr oder minder direktem Zusammenhang stehen. Wer nicht mehr anerkennen will, dass alle Menschen das gleiche Recht auf Leben und Überleben haben – ist ein verdammter Rassist und hält sich unterschwellig für was Besseres.

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